21) Noch etwas im allgemeinen, von den Freuden im Umgange mit edlen und verständigen Weibern.

Aber noch ein paar Worte über die seligen Freuden, die der Umgang mit verständigen und edeln Weibern gewährt. Ich habe schon vorhin gesagt, daß ich demselben die glücklichsten Stunden meines Lebens zu verdanken habe, und in Wahrheit, das sprach ich aus der Fülle meines Herzens. Ihr zartes Gefühl; ihre Gabe, so schnell zu erraten, zu begreifen, Gedanken aufzufassen, Mienen zu verstehn; ihr feiner Sinn für die kleinen, süßen Gefälligkeiten des Lebens; ihr reizender, naiver Witz, ihre oft so scharfsinnigen, von gelehrten, systematischen, vorgefaßten Meinungen so freien Urteile; ihre unnachahmlich liebenswürdigen Launen - interessant, selbst in ihren Ebben und Fluten; ihre Geduld in langwierigen Leiden, wenngleich sie im ersten Augenblicke, wenn der Unfall sie trifft, dem Gefährten das Übel durch Klagen schwerer machen; ihre sanfte, liebliche Art zu trösten, zu pflegen, zu warten, zu harren, zu dulden; die Milde, welche in ihrem ganzen Wesen herrscht; die kleine, unschädliche Geschwätzigkeit und Redseligkeit, wodurch sie die Gesellschaft beleben - das alles kenne ich, schätze ich, verehre ich. - Und wer wird nun, bei dem, was ich zum Nachteil einiger unter ihnen habe sagen müssen, mir Lästerung aufbürden oder gehässige Absichten beimessen?

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Über den Umgang mit Menschen


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Zweites Buch
Fünftes Kapitel: Über den Umgang mit Frauenzimmern.
21) Noch etwas im allgemeinen, von den Freuden im Umgange mit edlen und verständigen Weibern.

1) Erklärung des Verfassers über das, was er etwa zum Nachteile des weiblichen Geschlechts in diesem Kapitel sagen müßte.
2) Umgang mit Frauenzimmern dient zur Bildung des Jünglings und gewährt reine Freuden.
3) Warum äußere und innere Vorzüge nicht immer das einzige sichre Mittel sind, uns in dem Umgange mit Frauenzimmern angenehm zu machen.
4) Die Frauenzimmer lieben an den Männern keine Infirmitäten; warum?
5) Warum man es den Damen nicht zum Vorwurfe machen solle, wenn sie sich für ausschweifende Männer interessieren?
6) Was für ein Anzug den Weibern an uns gefällt.
7) Man soll nicht mehrern Frauenzimmern zugleich einerlei Huldigung bezeigen;
8) Nicht in ihrer Gegenwart andre Damen von eben solchen Ansprüchen zu sehr loben.
9) Bestrebe Dich, ein angenehmer Gesellschafter zu sein, wenn Du den Damen gefallen willst! Schmeichelei gefällt ihnen vorzüglich wohl.
10) Über die Neugier der Weiber.
11) Wie man sich nach ihren Launen richten müsse? Man soll sich ihnen nicht aufdrängen.
12) Sie finden Vergnügen an kleinen Neckereien.
13) Man lasse ihnen den Triumph und beschäme sie nicht!
15) Wie man sich hüten könne nicht verliebt zu werden?
16) Niederträchtigkeit derer,die junge Mädchen betrügen, täuschen, verführen, zu Grunde richten.
17) Über den Umgang mit Koketten und Buhlerinnen.
18) Etwas von gelehrten Weibern.
19) Über die Verstellung der Weiber.
19) Über die Verstellung der Weiber.
20) Über alte Koketten, Prüde, Spröde, Betschwestern, Gevatterinnen.

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