14) Wie aber, wenn ein Teil die Verschwendung liebt? Häusliche Sparsamkeit ist ein Mittel zum Eheglücke.

Gute Hauswirtschaft ist eines der notwendigsten Stücke zur ehelichen Glückseligkeit. Man suche desfalls vor allen Dingen, wenn man auch im ledigen Stande einigen Hang zur Verschwendung gehabt hätte, sich davon loszumachen und sich häuslicher Sparsamkeit zu befleißigen, sobald man heiratet. Einem einzelnen Menschen ist alles leicht zu ertragen, Not, Mangel, Demütigung, Zurücksetzung; am Ende steht ihm, wenn er gesunde Arme hat, die ganze Welt offen, er kann alles im Stiche lassen und in einem unbekannten Winkelchen der Erde leicht mit seiner Hände Arbeit sein Leben fristen; aber wenn schlechte Haushaltung den Ehemann und Vater in Armut gestürzt hat, und er nun den Blick umherwirft auf die Personen seiner Familie, die von ihm Unterhalt, Nahrung, Wartung, Erziehung, Vergnügen fordern; wenn er dann oft nicht weiß, woher er auf morgen Brot nehmen, wovon er die großen Mädchen kleiden soll, die ihre jetzigen Lumpen bald aufgerissen haben; oder wenn seine bürgerliche Ehre, seine Beförderung, die Versorgung seiner Kinder davon abhängt, daß er mit den Seinigen in einem gewissen anständigen Aufzuge, vielleicht gar mit einigem Glanze erscheine, und es doch von allen Seiten dazu fehlt; wenn das Silbergeräte vom Wucherer, wo es im Versatze steht, auf einen Mittag geborgt werden muß, um Gäste darauf bewirten zu können, indes unten im Hause ein Knabe wartet, der es gleich nach der Mahlzeit wieder in Empfang nehmen soll; wenn Gläubiger und Advokaten ihn in die Enge treiben und Juden an den Zipfeln seines schlaffen Geldbeutels melken; dann fallen böse Launen, Krankheit des Leibes und der Seele den Unglücklichen an; Verzweiflung ergreift ihn; er sucht sich zu betäuben, verfällt in Ausschweifungen; von innen zernagt ihn das unruhige Gewissen, von außen verfolgen ihn bittre Vorwürfe seines Weibes; das Winseln seiner Kinder schreckt ihn auf aus fürchterlichen Träumen; die Verachtung, womit der vornehme und reiche Pöbel auf ihn herabblickt, umwölkt jeden Strahl von Hoffnung; Mut und Trost schwinden; die Freunde fliehen; das Hohngelächter der Feinde und Neider erschüttert jede Nerve, und in dieser traurigen Lage schwindet denn freilich aller Schatten von häuslicher Freude; der Elende fliehet auch nichts so sehr als den Anblick und den Umgang derer, die er mit sich in das Unglück gestürzt hat - sollte also einer von den Eheleuten zur Verschwendung geneigt sein, so ist es ratsam, weil es noch Zeit ist, Mittel vorzuschieben, jener gräßlichen Lage auszuweichen. Der andre Teil, der besser mit Gelde umzugehn weiß, übernehme die Kasse! Man mache sich einen genauen Etat, wie man dem Haushalte wieder aufhelfen will, und befolge diesen pünktlich, schränke sich ein, sorge aber dafür, daß, wo möglich, auch etwas zu erlaubten Vergnügungen übrigbleibe, damit dem Verschwender die Einschränkungen und Entbehrungen nicht zu schwer werden.

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Über den Umgang mit Menschen


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Zweites Buch
Drittes Kapitel: Von dem Umgange unter Eheleuten.
14) Wie aber, wenn ein Teil die Verschwendung liebt? Häusliche Sparsamkeit ist ein Mittel zum Eheglücke.


1) Gute Wahl der Gatten ist das sicherste Mittel zu künftigem Eheglücke, und das Gegenteil hat traurige Folgen.
2) Warum so manche in der Jugend mit sehr wenig Überlegung geschlossene Ehen dennoch glücklich ausfallen?
3) Ob vollkommene Gleichheit in Temperamenten und Denkungsart zu einer glücklichen Ehe notwendig sei?
4) Vorschriften, welche man beobachten soll, um sich einander immer neu, angenehm und wert zu bleiben.
5) Hauptregel: Erfülle sorgsam jede Deiner Pflichten!
6) Wie wir uns zu verhalten haben, wenn die liebenswürdigen Eigenschaften fremder Personen zu lebhafte Eindrücke auf unsre Ehegenossen machen.
7) Wie man sich gegen solche Eindrücke wappnen solle, besonders gegen die feinern Koketten; in der Jugend; im reifern Alter.
8) Eheliche Pflicht schließt aber nicht alle zärtlichen Empfindungen für andre Personen aus.
9) Man soll voneinander auch nicht Aufopferung alles eigenen Geschmacks, aller andern unschuldigen Neigungen verlangen, sich aber nach und nach in gleiche Stimmung zu setzen suchen.
10) Wie man wirkliche Ausschweifungen vermeiden solle?
11) Ob man Geheimnisse voreinander haben dürfe?
12) Jeder Ehegenosse soll seine angewiesenen Geschäfte haben.
13) Wie es mit Verwaltung der Kassen zu halten?
15) Ist es besser, daß der Mann oder daß die Frau reich sei? Ersteres! warum? Betragen gegen eine reiche Frau.
16) Ist es besser, daß der Mann klüger sei als das Weib, oder umgekehrt?
17) Oh man seiner Gattin sein Unglück klagen dürfe? Verhalten in wirklichen Unglücksfallen.
18) Betragen bei gar zu großer Ungleichheit der Denkungsart.
19) Wie man sich verhalten solle, wenn das Schicksal uns mit einer unmoralischen lasterhaften Person auf ewig verbunden hat.
20) Leide nicht, daß Fremde sich in Deine häuslichen Geschäfte mischen! Etwas über böse alte Schwiegermütter.
21) Über Verletzung ehelicher Treue und Ehescheidung.
22) Ob diese Regeln auch anwendbar auf die Ehen unter sehr vornehmen und sehr reichen Leuten sind.