20) Leide nicht, daß Fremde sich in Deine häuslichen Geschäfte mischen! Etwas über böse alte Schwiegermütter.

Sehr gern aber pflegen sich dienstfertige gute Freunde, alte Weiber beiderlei Geschlechts, Vettern und Basen in solche Angelegenheiten zu mischen. Leide nicht, daß irgend jemand, wer es auch sei, ohne Dein Bitten sich um Deine häuslichen Umstände bekümmre. Weise solche Naseweisigkeiten mit aller männlichen Entschlossenheit von Dir! Gute Seelen vertragen sich ohne Vermittlung, und mit schlechten richtet ein Friedensstifter doch nichts aus. Allein bete, daß der Himmel Dich bewahre vor solchen alten Hexen von Schwiegermüttern, die alles wissen, alles tun und, wenn sie auch dumm wie das Vieh sind, dennoch alles dirigieren wollen; deren Geschäft ist, Hetzereien anzustiften, zu unterhalten, und die mit Köchinnen und Haushälterinnen gemeinschaftliche Sache machen, um aus christlicher Liebe die Handlungen des Nächsten auszuspähn. Solltest Du aber zum Unglücke so eine Meerkatze, ein solches satanisches Hausgerät mit erheiratet haben, so ergreife die erste Gelegenheit, da sie sich in Deine Hausvatersangelegenheiten mischen will, um ihre freundlichen, frommen Dienste auf eine solche Art zu verbitten, daß sie Dir so bald nicht wiederkomme. Es gibt aber auch gute, edle Schwiegermütter, die ihrer Kinder Ehegenossen als ihre eigenen Kinder lieben, ihren verheirateten Töchtern mit treuem Rat beistehen, und denen man dann um so mehr Ehrerbietung und Aufmerksamkeit schuldig ist, wenn man ihnen die Bildung eines geliebten Weibes zu danken hat.

Überhaupt sollen alle Zwistigkeiten unter Eheleuten nur unter ihren vier Augen ausgemacht werden, und, wenn es auf das Höchste kommt, vor der Landesobrigkeit; alle Mittelinstanzen taugen gar nichts, und fremde Friedensstifter und Beschützer des leidenden Teils machen immer das Übel ärger. Der Mann muß Herr sein in seinem Hause; so wollen es Natur und Vernunft! Mit einem Herrn zankt man nicht; er hat aber Richter über sich, nicht neben sich. Er soll sich auf keine Weise diese Herrschaft rauben lassen, und auch dann, wenn die weisere Frau seiner offenbaren Macht die heimliche Gewalt über sein Herz entgegenstellt, muß doch das äußere Ansehen der Herrschaft nie wegfallen.

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Über den Umgang mit Menschen


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Zweites Buch
Drittes Kapitel: Von dem Umgange unter Eheleuten.
20) Leide nicht, daß Fremde sich in Deine häuslichen Geschäfte mischen! Etwas über böse alte Schwiegermütter.


1) Gute Wahl der Gatten ist das sicherste Mittel zu künftigem Eheglücke, und das Gegenteil hat traurige Folgen.
2) Warum so manche in der Jugend mit sehr wenig Überlegung geschlossene Ehen dennoch glücklich ausfallen?
3) Ob vollkommene Gleichheit in Temperamenten und Denkungsart zu einer glücklichen Ehe notwendig sei?
4) Vorschriften, welche man beobachten soll, um sich einander immer neu, angenehm und wert zu bleiben.
5) Hauptregel: Erfülle sorgsam jede Deiner Pflichten!
6) Wie wir uns zu verhalten haben, wenn die liebenswürdigen Eigenschaften fremder Personen zu lebhafte Eindrücke auf unsre Ehegenossen machen.
7) Wie man sich gegen solche Eindrücke wappnen solle, besonders gegen die feinern Koketten; in der Jugend; im reifern Alter.
8) Eheliche Pflicht schließt aber nicht alle zärtlichen Empfindungen für andre Personen aus.
9) Man soll voneinander auch nicht Aufopferung alles eigenen Geschmacks, aller andern unschuldigen Neigungen verlangen, sich aber nach und nach in gleiche Stimmung zu setzen suchen.
10) Wie man wirkliche Ausschweifungen vermeiden solle?
11) Ob man Geheimnisse voreinander haben dürfe?
12) Jeder Ehegenosse soll seine angewiesenen Geschäfte haben.
13) Wie es mit Verwaltung der Kassen zu halten?
14) Wie aber, wenn ein Teil die Verschwendung liebt? Häusliche Sparsamkeit ist ein Mittel zum Eheglücke.
15) Ist es besser, daß der Mann oder daß die Frau reich sei? Ersteres! warum? Betragen gegen eine reiche Frau.
16) Ist es besser, daß der Mann klüger sei als das Weib, oder umgekehrt?
17) Oh man seiner Gattin sein Unglück klagen dürfe? Verhalten in wirklichen Unglücksfallen.
18) Betragen bei gar zu großer Ungleichheit der Denkungsart.
19) Wie man sich verhalten solle, wenn das Schicksal uns mit einer unmoralischen lasterhaften Person auf ewig verbunden hat.
21) Über Verletzung ehelicher Treue und Ehescheidung.
22) Ob diese Regeln auch anwendbar auf die Ehen unter sehr vornehmen und sehr reichen Leuten sind.

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